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YOGA – Mein Lebensstil

von Florian Weis
YOGA für ein starkes Herz

Gastbeitrag von Katharina Bauer

Derzeit befinde ich mich mitten in der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokyo. Ob die Spiele stattfinden oder in welcher Art und Weise sie durchgeführt werden können, bleibt abzuwarten. Ruhe und Geduld sind gefragt. Ich habe mittlerweile die Rolle der Beobachterin eingenommen. Der Glaube ist das Einzige, was ich mir beibehalte; die Hoffnung, dass Olympia stattfindet und ich mir noch meinen großen Traum erfüllen kann. Um diese Gelassenheit und innere Ruhe zu bewahren und täglich voller Motivation weiter zu trainieren, brauche ich einen wertvollen Ausgleich – und dieser ist Yoga.

Aber weshalb gerade Yoga?! Im Leistungssport herrschen dauernd Wettkampfbedingungen, sei es im Training oder im Wettbewerb selbst. Konkurrenzkampf und Druck sind dauerhafte Begleiter. Beim Yoga kann man aber einfach loslassen und der Vergleich mit anderen entfällt. Man gibt dem Körper die nötige Regenerationsphase, Gedanken können wie Wolken am Himmel vorbeiziehen. Um in den richtigen Wettkampfmodus zu kommen, ist Yoga für mich eine Vorbereitungspraxis geworden. Das liegt daran, da ein Stabhochsprung-Wettkampf sehr lange dauert – in der Regel circa drei bis vier Stunden. Der Zeitrahmen beinhaltet das Warm-Up, das Einspringen und den Wettkampf an sich. Es ist eine mentale Achterbahnfahrt, seine Kräfte zum richtigen Zeitpunkt zu kanalisieren, denn es kann in der Tat sein, dass ich eine Stunde auf den nächsten Sprung warte. Durch Yoga lernt man, diesen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung besser zu transferieren. Besonders ist mir dabei ein Wettkampf im Jahr 2015 in Leverkusen in Erinnerung geblieben, bei dem mir die Praxis unmittelbar davor zu neuen Höhenflügen verhalf. Ich war extrem aufgeregt und meine Yoga-Lehrerin Barbara Plaza meinte: „Katharina, lass uns etwas probieren. Vielleicht tun dir ein paar Übungen und Atemtechniken gut.“ Sie behielt Recht. Ich absolvierte den Wettkampf mit neuer persönlicher Bestleistung von 4,60 Metern. Solch ein Erlebnis ist im Kopf hängen geblieben und begleitet mich seither. Seitdem hat sich Yoga in meinem Training und im Alltag manifestiert. Ich betreibe von daher täglich in jeglicher Variation Yoga. Mal für die Regeneration, mal für die morgendliche Aktivierung, mal im Online-Zoom Kurs.

Yoga ist für mich nicht mehr nur eine Praxis, sondern eine Lebenshaltung. Vor dem Wettkampf habe ich eine gewisse Übungsabfolge (Asanas), die meinen Körper stärken und mich gleichzeitig in einen mentalen Flow bringen. Im Sport nennt sich dieses Ritual „Auftakt-Training“. Jeder macht genau das, was ihm die Erfahrung gelehrt hat, um optimale Leistung abzurufen. Das kann joggen sein, leichte Stabilisationsübungen oder einfach nur liegen. Mir hilft besonders Yoga und Meditation, um meinen Fokus zu erreichen.

Ich starte gerade das vierte Comeback in meiner Karriere. Für mich ist es wichtig, in Krisenzeiten immer eine positive Haltung zu bewahren. Meiner Meinung nach ist es vergeudete Lebenszeit, wenn ich nur auf der Couch liege, mein Leben verfluche und die Wand anstarre. Nach jeder Verletzung musste ich mich zurück kämpfen und immer wieder aufs Neue lernen, meinem Körper zu vertrauen. Durch Yoga lernt man, seinem Körper zu vertrauen und ihn wieder in neue Energiebahnen zu führen. Vor allem ist mir dieses bewusst geworden, als ich vor zwei Jahren einen schweren Bandscheibenvorfall erlitten hatte. Das waren anderthalb Jahre voller Schmerzen und eine mentale Berg- und Talfahrt. Durch die tiefe, intensive Yoga-Praxis bin ich wieder schmerzfrei, da die Faszien geschmeidig werden und der Energiefluss im Körper von Kopf bis Fuß wieder hergestellt wird. Ebenfalls habe ich aus diesen Zeiten gelernt, wie man mit den Schmerzen umzugehen hat, wie man sie akzeptiert, um sie endgültig aufzulösen. Meine Beweglichkeit ist fast wieder wie früher hergestellt, was ich nicht für möglich gehalten habe.

Aus meinem Erfahrungsschatz heraus möchte ich auch andere Menschen dazu ermutigen, mit Yoga zu starten – Sportler, Manager, eigentlich jeden, der seinen Alltag körperlich und mental besser gestalten möchte.

Praxistipps für Yoga-Beginner

Es gibt Dinge im Yoga, die man zu Beginn nicht ohne Hilfe machen sollte. Deshalb hier der erste Tipp: Beim Kopfstand etwa muss man sehr auf die Halswirbelsäule achten, sonst kann man sich verletzen. Es gibt diverse Anfängerübungen, die das eigene Körperbewusstsein gut schulen. Bei der stehenden Vorbeuge beugt man sich nach vorne und versucht mit den Händen den Boden zu berühren. Das beruhigt den Herzschlag und dehnt die Rückseite. Hierbei sieht man auch direkt seine persönlichen Fortschritte, wie weit man von Mal zu Mal mit den Fingern den Boden berührt. Weitere Basic-Übungen sind der Baum sowie der herabschauende Hund. Des Weiteren ist die Kobra und ein einfacher Drehsitz für Anfänger geeignet. Um den Flow im Yoga zu erreichen, ist zwischendurch „Shavasana“ wichtig: Einfach nur gerade liegen, Augen zu, entspannen. Beim Yoga ist die Wechselwirkung der Positionen entscheidend. Wenn man eine Vorbeuge gemacht hat, sollte man auch eine Rückbeuge ausführen.

Wer jetzt sagt, ja das hört sich doch einfach an und ich möchte es gerne probieren, dem würde ich am Anfang raten, einen Yoga-Kurs zu besuchen. Unterhalten Sie sich mit der Lehrerin/dem Lehrer oder holen Sie sich ein Buch, das Ihnen ins Auge sticht. Ich glaube, als Anfänger ist es wichtig, dass man eine professionelle Anleitung erhält. Man beruhigt sein Gedankenkarussell am ehesten, wenn man die Techniken vermittelt bekommt. Dabei können Meditations-Apps ebenfalls hilfreich sein. Setzen Sie sich hin und versuchen Sie, ihre Gedanken zu beobachten. Da diese zunächst keine Ruhe geben, ist es naheliegend, sich in die Entspannung führen und anleiten zu lassen. Daraus resultierend bekommt das Gehirn eine Pause. Man lernt dadurch, bewusster auf seinen Körper zu hören und gönnt sich die nötige Ruhe, um den Tag energievoll zu beginnen. Stehen Sie also auf, ohne direkt das Handy anzuschalten und von einer Informationsflut überschüttet zu werden. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für sich, in dem sie sieben Minuten meditieren. Sie werden den Effekt bei regelmäßiger Anwendung unmittelbar spüren. Fangen Sie an, wie Sie es verspüren. Das Entscheidende ist, für sich selbst herauszufinden, was einem guttut und was einem im Leben weiterbringt.

Katharina Bauer ist eine deutsche Stabhochspringerin. Seit 2018 lebt sie mit einem implantierten Defibrillator. Sie ist die  erste Profisportlerin, die mit einem Defibrillator an einer Europa- und Weltmeisterschaft teilnahm, und schrieb damit Sportgeschichte. Seit vielen Jahren praktiziert die Teameuropameisterin Yoga. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, Betroffenen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre Gesundheit verbessern können. Katharina Bauer lebt in Leverkusen, wo sie ideale Trainingsbedingungen und ein professionelles leistungssportliches Umfeld gefunden hat. Informationen unter www.katharina-bauer.online oder auf Instagram katha.bauer

Bildquellen

  • YOGA für ein starkes Herz: Katharina Bauer

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