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Digitalisierung als Chance? Handel ist kritischer als andere Branchen

von EntrepreneurRATGEBER
Dr. Christian Kastner, Geschäftsführer der Star Finanz

Die derzeitige Corona-Krise hat die deutsche Wirtschaft fest im Griff. Besonders der Handel bekommt die Auswirkungen zu spüren, fast alle Geschäfte mussten inzwischen schließen. Ein mögliches Instrument für Einzelhändler, die Auswirkungen der aktuellen Krise einzudämmen und die wirtschaftlichen Schäden abzumildern, könnte im Ausbau der eigenen Online-Präsenz liegen. Allerdings sind die Vorbehalte branchenübergreifend bei Unternehmen im Handelssektor am größten, sie sehen in der Digitalisierung öfter eine Bedrohung (21 Prozent). Sowohl für den Handel als auch für alle anderen untersuchten Branchen gilt: Umso größer die Betriebe, desto eher begreifen sie Digitalisierung als Chance. Das geht aus Deutschlands derzeit größter Umfrage zur „Digitalisierung im deutschen Mittelstand“ hervor. An der von Star Finanz durchgeführten Befragung nahmen mehr als 11.000 Einzelunternehmer, mittelständische Firmen und Konzerne teil, darunter über 1.000 Betriebe, die sich der Handelsbranche zuordnen.

Der Dienstleistungs- sowie der Handelssektor, die in den letzten Jahren wohl die umfassendste Disruption erlebt haben, gehen als einzige der untersuchten Branchen zu über 50 Prozent von einer Veränderung ihres Geschäftsmodells aus. Und wiederum ist es der Handel, der mit 15 Prozent Zustimmung Veränderungen des Geschäftsmodells vergleichsweise als am notwendigsten betrachtet.

Großteil der Unternehmen beschäftigt sich mit Digitalisierung…

Mehr als drei Viertel (76,8 Prozent) der befragten Unternehmen über alle Branchen hinweg beschäftigen sich mit dem Thema Digitalisierung. Die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen, sinkt jedoch mit abnehmender Unternehmensgröße. Von den 23,2 Prozent, die sich nicht damit auseinandersetzen, haben 59,5 Prozent der Betriebe weniger als zehn Mitarbeiter. In der Handelsbranche ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Während 31,1 Prozent der Kleinstbetriebe (bis zu neun Mitarbeiter) sagen, dass sie sich nicht mit Digitalisierung beschäftigen, sinkt der Anteil der Digitalisierungsmuffel ab einer Unternehmensgröße von 50 Mitarbeitern auf nahezu null.

Diejenigen Unternehmen, die sich nicht mit Digitalisierung beschäftigen, führen an, dass sie darin keinen Mehrwert für sich sehen (47,6 Prozent). 44,8 Prozent der Betriebe nennen Zeitmangel als Grund, 15,1 Prozent Kostengründe.

…aber nur die wenigsten bereiten sich aktiv auf Disruptionen des Geschäftsmodells vor

Viele Handelsunternehmen sind zudem verunsichert, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf das eigene Geschäftsmodell hat. Mehr als jeder vierte Betrieb (27,5 Prozent) kann die Veränderungen nicht abschätzen. Und während rund die Hälfte der Unternehmen (50,4 Prozent) in den kommenden fünf Jahren durch den digitalen Wandel eine Transformation ihres Geschäftsmodells erwartet, wollen nur 15,1 Prozent der Betriebe im Handelssektor diese Veränderung aktiv in die Hände nehmen und ihr Geschäftsmodell anpassen.
Die Digitalisierung bestehender Prozesse (69,2 Prozent) sowie Online-Marketing (57,4 Prozent) sind für den Handel die häufigsten Gründe für die Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung. Die Analyse von Big Data ist immerhin schon für 17,7 Prozent der Unternehmen ein Thema, 3,9 Prozent setzen sich mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) auseinander.

Dr. Christian Kastner, Geschäftsführer der Star Finanz: „Ein Großteil der Unternehmen unterschätzt die Auswirkungen, die der digitale Wandel auf ihren Betrieb haben wird. Unternehmen der Handelsbranche, die durch die Macht von Amazon und anderen Großanbietern die Auswirkungen der Digitalisierung bereits heute spüren, nehmen die aktuellen und bevorstehenden Umwälzungen am ehesten als Bedrohung war. Trotzdem setzt sich auch der Handel noch selten mit den wirklich disruptiven Veränderungstreibern wie neuen Geschäftsmodellen, digitalen Produkten, Big Data oder künstlicher Intelligenz auseinander. Der Veränderungsdruck ist in vielen Unternehmen offenbar noch nicht so hoch, als dass sie Anpassungen ihres Geschäftsmodells als Priorität wahrnehmen.“

Bildquellen

  • Christian Kastner: Star Finanz

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