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Die Digitale Transformation braucht Frauen

von EntrepreneurRATGEBER

Lediglich ein Fünftel der Informatik-Studierenden in Deutschland sind Frauen. Anders sieht es im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik der Universität Potsdam aus: 43 Prozent der angehenden Experten für Digitale Transformation sind dort weiblich. Der Grund: Prof. Dr. Key Pousttchi, Inhaber des SAP-Stiftungslehrstuhls und bereits zum zweiten Mal Table Captain bei der herCAREER@Night, hebt die Vorteile des Studiums für Frauen zielgerichtet hervor.

“Mein Kerngeschäft ist es, Organisationen und die Gesellschaft heil durch die Digitalisierung zu bringen. Und dazu brauchen wir die Frauen”, konstatiert Prof. Dr. Key Pousttchi. Aus dieser Überzeugung heraus hat er bereits 2017 zum Start seines neuen Studiengangs an der Universität Potsdam recherchiert, unter welchen Umständen Frauen erfolgreich Wirtschaftsinformatik studieren. Er stieß auf die Arbeit von Caroline Oehlhorn, Forscherin der Uni Bamberg. Sie fand unter anderem heraus, dass Frauen eine hohe Flexibilität und Wahlfreiheit bei der Ausrichtung ihres Studiums schätzen. Zudem seien Frauen oft selbstkritischer und wollten sicher sein, dass sie das Studium wirklich meistern können. “Wenn Frauen sich etwas in den Kopf gesetzt haben, hängen sie sich auch entsprechend rein, um es zu schaffen. Genau das ist die Eigenschaft, die wir für den Erfolg wollen.”

Die Erkenntnisse passten perfekt zum Design des neuen Studiengangs: Es gibt drei Pflichtvorlesungen im ersten Semester und dann herrscht für den Rest des Masterstudiums Wahlfreiheit. Jeder sucht sich ein eigenes Forschungsthema und wählt die gewünschte Fächerkombination selbst aus. “Man kann bei uns ein vollständig eigenes Profil in Bezug auf Digitale Transformation entwickeln.” Das Kernelement sei die Schnittstellenkompetenz. “Das finden Frauen nicht nur sehr ansprechend, sondern sie können auch gut damit umgehen. Es fällt ihnen tendenziell leichter als Männern, sich auf verschiedene Zielgruppen einzustellen.”

Starkes Wofür: Mitgestalten, wie Menschen künftig leben

Frauen möchten laut Forschung vor allem wissen, auf welches Ziel ihre Ausbildung und ihre künftige Arbeit hinausläuft. Laut Prof. Dr. Key Pousttchi müssen Experten für Digitale Transformation wie etwa Chief Digital Officer die Technik beherrschen, sie aber in der Regel nicht bauen. Es gehe vielmehr darum, in Unternehmen und Organisation die gegenseitigen Abhängigkeiten von Technik, Wirtschaft und Mensch/Gesellschaft zu erkennen und sie keinesfalls getrennt zu betrachten. “Man gestaltet ganze Unternehmen und die komplette Gesellschaft neu. Wir bauen nicht ein langweiliges IT-System, sondern wir bestimmen wie Menschen leben, arbeiten, ihre Freizeit verbringen, ihre Meinung äußern, wie politische Prozesse ablaufen und wer die Macht hat.”

Deutschland mache jedoch in Bezug auf dieses Tiefe Verständnis der Zusammenhänge in der Digitalen Transformation einen entscheidenden Fehler: Informatik ist noch immer kein Pflichtfach in der Schule. Das sei vor allem für Frauen verheerend: “Frauen kommen oft gar nicht mit dem Fach Informatik in Berührung, da sie oft eine gewisse Scheu vor der Technik haben. Sie sind dann dieser Technologie vollkommen ausgeliefert.”

In Zukunft werde der CEO seltener Jurist oder Betriebswirt sein, sondern viel öfter ein Wirtschaftsinformatiker, der digitale Kompetenzen mitbringe. An der Universität Potsdam bilde man Führungskräfte für die allerhöchsten Führungsaufgaben aus und da gehörten die Frauen hin. “Zu sagen, wir lassen jetzt Frauen mal die Indianer-Tätigkeiten machen und die Männer sollen die Häuptlinge sein – das ist keine richtig gute Idee.”

Kommunikation ist alles

Damit Frauen wüssten, was auf sie zukomme, müsse man das natürlich entsprechend kommunizieren. “Wir haben die Vorteile für Frauen in Social Media knallhart beworben”, so Pousttchi. Frauen würden allerdings nicht bevorzugt, auch wenn es ab dem Wintersemester erstmals Auswahlgespräche gebe und nicht mehr nur Noten zählten. “Wenn wir Frauen bevorteilen würden, würden wir sowohl der Sache als auch dem Selbstbewusstsein der Frauen einen Bärendienst erweisen – dann kommen die falschen.” Auf Unterstützung der Politik hofft der Professor für seine Initiative nicht mehr – seine persönlichen Anfragen an mehrere Bundesministerien, die sich “Frauen-Themen” auf die Fahne geschrieben hatten, blieben bis heute unbeantwortet.

Auf der herCAREER@Night steht Prof. Key Pousttchi neben zahlreichen anderen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik den Besucher/innen für einen direkten und informellen Austausch zur Verfügung. Die persönlichen Gespräche auf der Abendveranstaltung am 10. Oktober in München helfen dabei, Frauen gezielt in ihrer Karriereplanung zu unterstützen.

(ots)

Bildquellen

  • TOP_BZ7T1832_herCAREER_Foto_Pfluegl_181011: ots/Jahne Uhlig PR/Prof. Dr. Key Pousttchi

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