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Blockchain statt Personalabteilung

von EntrepreneurRATGEBER

Unternehmen sind seit Menschengedenken auf der Suche danach, die eigenen Prozesse effizienter und damit kostengünstiger zu gestalten. Deshalb ist es sehr naheliegend, dass blockchain-basierte Technologien für den Bewerbungsprozess ins Auge gefasst werden.

Ob dies Sinn macht und was es genau bedeutet für jeden Einzelnen von uns, analysiert der Fintech-Experte Maxim Bederov in dem vorliegenden Artikel.

Revolution der Stellenbesetzung ante portas

Die Suche nach dem idealen Mitarbeiter beschäftigt die HR-Abteilungen von Unternehmen seit Beginn des Wirtschaftstreibens. Tatsächlich hat der digitale Fortschritt schon zur einen oder anderen Revolution in diesem Bereich geführt, doch nun sind wir an der Schwelle zum wahrscheinlich größten Umbruch von allen.

Die Blockchain könnte, in Verbindung mit vollkommen automatisierten Chatbots dafür sorgen, dass Personalverantwortliche vielleicht gar nicht mehr im Prozess der Suche nach Mitarbeitern benötigt werden. Wie dies funktionieren kann, soll in diesem Artikel veranschaulicht werden.

Blockchain-Bewerbung

Wie kann die Blockchain nun dabei helfen, diese komplexen Prozesse der Stellenbesetzung effizienter zu gestalten? Die Blockchain ist im Grunde nichts anderes als ein dezentraler Speicher von Daten und Informationen. Sie sorgt, trotz einem Maximum an Transparenz, für absolute Fälschungssicherheit.

Die derzeit berühmteste Anwendung der Blockchain ist der Bitcoin. Die Blockchain speichert, welche Werte welchen “Wallets” (=digitale Geldbörsen) zugeordnet sind. Dies passiert nicht zentral, sondern verteilt auf den Computern der Community.

Unternehmen haben immer wieder damit zu kämpfen, dass Bewerber ihren eigenen Werdegang etwas geschönter darstellen, als es sich tatsächlich zugetragen hat. Je nach Studie beträgt der “Flunker-Prozentsatz” bis zu 84%. Personalverantwortliche müssen daher ihre Entscheidung auf einem Fundament treffen, das unter Umständen der Prüfung der Realität nicht standhält.

In naher Zukunft könnten Unternehmen dazu übergehen, Bewerbungen über eine firmeneigene Blockchain abzuwickeln.

Potenzielle Auswirkungen

Die Blockchain kann Unternehmen dabei helfen, die Validität der angegebenen Daten zu erhöhen. Beruflich relevante Angaben könnten von der Community, zum Beispiel von Ex-Arbeitgebern, verifiziert oder eben falsifiziert werden. Lügen hätten keine Chance mehr und der gesamte Bewerbungsprozess könnte automatisiert werden, wenn Chatbots zum Einsatz kämen.

Diese sorgen für wichtige Vorselektionen und bereiten die für den Bewerbungsprozess notwendigen Daten und Informationen vor und auf. Sie können die potentiellen Bewerber im Befüllungsprozess der Blockchain ebenfalls begleiten und so für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Die Vorteile für die Unternehmen wären riesig. Es käme zu einer enormen Zeit- und Ressourceneinsparung, bei gleichzeitiger Erhöhung der Validität der Daten. In naher Zukunft könnten sogar Arbeitsverträge völlig automatisiert über Smart-Contracts abgeschlossen werden. Die Unternehmen würden tatsächlich davon profitieren, doch wie sieht es mit den Bewerbern aus?

Totale Transparenz

Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus als könnten die potenziellen Bewerber von der Blockchain im Bewerbungsprozess profitieren, denn sie müssen tatsächlich alles preisgeben und einer Überprüfung unterziehen. Es gibt kaum mehr eine Möglichkeit, sich irgendwie “durchzumogeln” oder irgendetwas aus der eigenen beruflichen Vergangenheit zu beschönigen.

Doch eine Blockchain kann auch von Einzelpersonen oder von einer Angestellten-Community betrieben werden. Diese könnte sich beispielsweise mit der Bewertung von Unternehmen auseinander setzen. Firmen, deren Mitarbeiterzufriedenheit nicht sonderlich hoch ist, würden erkennbar werden.

Dies hätte natürlich Auswirkungen auf die Motivation, sich bei solchen Unternehmen zu bewerben. Firmen müssten damit beginnen, an potenziellen Schwachstellen zu arbeiten, um als attraktiv gelten zu können. Sie können eventuelle Mobbingfälle oder chronische Ausbeutung nicht mehr verschleiern. Es kommt alles ans Tageslicht. Die Tendenz der Transparenz sorgt somit für eine gleichmäßige Machtverteilung. Darüber hinaus könnten sehr gefragte Arbeitssuchende den Spieß ebenfalls umdrehen, indem Unternehmen sich in der selbst geschaffenen Blockchain registrieren müssten.

Es bleiben viele offene Fragen

Die völlig neue Herangehensweise, die uns die Blockchain an unterschiedliche Themenfelder ermöglicht, erfordert natürlich auch eine andere Denkweise. Sobald die Blockchain für die angesprochenen Bereiche eingesetzt wird, wird es zu einer großen Welle der Kritik kommen, da der “gläserne Mensch” immer mehr zur Realität wird. Aber eben auch die “gläsernen Unternehmen”.

Somit besteht das gleiche Recht für alle. Genau dafür sorgt die Blockchain – für Waffengleichheit. Die Machtverhältnisse verschieben sich dramatisch, wie wir auch schon anhand von Bitcoin sehen können.

Es müssen wirklich sehr viele ethische, moralische und datenschutzrechtliche Fragen gestellt und zufriedenstellend beantwortet werden. Die gesellschaftliche Diskussion darüber wird sehr wichtig sein. Wie geht man fortan mit Fehlern, Fehlentscheidungen oder Misserfolgen um? Wie geht man mit Menschen um, die sich am Rande der Gesellschaft befinden? Wie implementiert man den Resozialisierungsgedanken? Wenn alles transparent wird, was bleibt dann noch privat?

Dies ist nur ein kleiner Auszug aus Fragestellungen, die sich aus dem Themenkomplex ergeben. Tatsächlich könnte der Einsatz der Blockchain zu einem neuen Menschenbild führen, der Fehler und Niederlagen als normalen Bestandteil eines Entwicklungsprozesses sieht, sowohl bei Menschen als auch bei Unternehmen.

Fazit

Die Blockchain erschafft neue Spielregeln für alle Teilnehmer, egal ob Bewerber oder Unternehmen. Viele neue Fragen ergeben sich aus dem Einsatz der Blockchain im Bewerbungsprozess, die erst beantwortet werden müssen, wenn es zu einer nachhaltigen Implementierung mit Aussicht auf Erfolg kommen soll.

Schlussendlich muss nicht die Blockchain wachsen und sich weiterentwickeln, sondern die Gesellschaft und ihre Bewertungen.

 

Über den Autor

Maxim Bederov ist Vater, Unternehmer, Finanz-Experte, Bergsteiger und Kampfsportler. Er hat durch seine Beharrlichkeit und Willensstärke stets nach dem Besten gestrebt.

Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Finanzdienstleistung, Digitalisierung und IT gründete er im Jahr 2018 einen der ersten Publikumsfonds mit digitalen Assets. Er setzt sich aktiv für die finanzielle Legalisierung und Regulierung von Kryptowährungen ein.

 

 

 

 

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